Navajo-Stamm


Die Navajo-Indianer (in der Navajo-Sprache „Dinè“) sind von der Geschichte der Ureinwohner Amerikas her gesehen relativ spät im Südwesten der USA eingewandert. Sie gehören der Athapasken-Sprachgruppe an, die im 15. Jahrhundert (oder früher) aus dem Norden des heutigen Kanadas kommend nach Süden zog. Sie waren Jäger und Sammler und lebten in dem Gebiet zusammen mit den sesshaften Pueblo-Indianern. Ihre Beziehungen zu den Pueblo waren manchmal kriegerisch. Zu anderen Zeiten trieben sie friedlichen Handel mit ihnen. Nachdem sie von den Spaniern Pferde- und Schafzucht übernommen hatten, entwickelten sie sich zu einem großen und starken Stamm.

Navajo Mountain, Paiute Canyon

Sie waren ausgezeichnete Reiter. Sie lernten Spaniern, Mexikanern, Angelsachsen und anderen Indianerstämmen das Fürchten.
Nachdem die Vereinigten Staaten die Mexikaner aus dem Gebiet verdrängt hatten und die vorherrschende Macht geworden waren, dauerten Reibereien und Auseinandersetzungen an. Man überfiel sich gegenseitig mit schmerzhaften Verlusten. Um diese Kriege zu beenden, haben die USA 1863/64 das Heimatgebiet der Navajo besetzt, ihre Schafe geschlachtet und die Mehrzahl der Stammesmitglieder zu Gefangenen gemacht.

Einigen der Ältesten und Medizinmänner gelang es, sich in den unwegsamen Canyons, Schluchten und Höhlen zu verstecken, u.a. im bis dahin unbekannten Gebiet am Navajo Mountain. Sie waren es, die die Kultur des Stammes ununterbrochen weiterführten. Der übrige Stamm wurde zum Fort Sumner in Neu-Mexiko getrieben. Dieser Gewaltmarsch, “the long walk”, auf dem viele starben, lebt in den Geschichten der Navajo weiter. Die Armee der USA versuchte, die Navajo zu sesshaften Farmer umzuerziehen, jedoch ohne Erfolg. Die Standhaftigkeit der Navajo führte dazu, dass die Weißen ihr Unternehmen nach vier Jahren aufgaben. Sie versorgten die Navajo mit einem Grundstock an Schafen und erlaubten ihnen, in ihr angestammtes Land zurückzukehren.

Heute leben ca. 300 000 Stammesmitglieder auf ca. 11.000 qkm in Utah, New Mexiko und in Arizona auf ihrem selbstverwalteten Gebiet. Zum Vergleich: Schleswig-Holstein mit 2.8 Mill. Einwohner auf 15.770 qkm.

Den Navajo ist es gelungen, ihre Kultur und Tradition unverfälscht weiterzuführen, während sie sich gleichzeitig mit den Weißen und deren Welt arrangiert haben. Dadurch ist ihnen das Schicksal vieler Indianerstämme erspart geblieben, nicht nur ihre Kultur zu verlieren, sondern auch in der weißen Welt nicht Fuß fassen zu können.

Zu ihrem relativ guten Verhältnis zu den Weißen hat das Selbstbewußtsein der Navajo beigetragen, das sie sich erhalten konnten. Ihr Selbstbewusstsein ist es auch, aus dem heraus sie ihre Zeremonien, Spiritualität und Bräuche mit anderen teilen. Gerade in den letzten Jahren ist dem Stamm ein Aufschwung gelungen, der die Behörde der amerikanischen Bundesregierung, das „Bureau of Indian Affairs“, verdrängt und zur fast ausschließlichen Selbstverwaltung geführt hat.

Buck Navajo, Medizinmann

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